Mein Besuch bei den Briten...
...fing mit einer eher turbulenten Zugreise an. Über Stuttgart und Paris ging es nach London Kings Cross/St.Pancras. Ganz in Topfrom war ich nicht, bin ich doch in Paris zuerst mühsamst an den Paris Gare de Lyon gefahren anstatt, wie es eigentlich auf dem Ticket hiess, nach Paris Gare du Nord. Also musste ich meinen 23.5 Kilo Koffer mitsamt den beiden Handgepäcken hin und her schleppen. Paris kennt nämlich nicht immer die Erfindung namens Rolltreppe. Mein armer Bizeps hat sich am nächsten Tag beschwert. In London allerdings erst einmal angekommen war es ganz einfach, in meine Unterkunft zu kommen. Die Underground versteht jeder Vollidiot. Die Unterkunft ist eher schlicht, ich teile mir das Bad mit mindestens einer Person, Toilettenpapier muss man selber mitbringen, es gibt keinen Tumbler oder eine funktionierende Heizung in der Küche. Der Platz ist nur beschränkt. Aber vier Wochen sollte ich es hier aushalten können. Immerhin habe ich ein eigenes kleines Zimmer, nur für mich allein.
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass dieser Montag der erste, und sehr wahrscheinlich auch der Letzte, Montag war, auf den ich mich immerhin ein wenig gefreut habe. Immerhin lernte ich heute endlich meine Schule für die nächsten vier Wochen kennen. Aber diese Freude hielt nicht lange an. Spätestens nach diesen ersten drei Stunden war ich bitter enttäuscht. Ich hatte erwartet, und eigentlich auch gebucht, dass ich an einem Cambridge Advanced Vorbereitungskurs teilnehmen werde. Was nicht der Fall war. Es war ein simpler Fortgeschrittener Kurs. Nirgens auch nur ein bisschen Examenvorbereitung in Sicht. Was sollte das? Der einzige Lichtblick an diesem Tag war, mal wieder, der Ausflug mit Nellie. Gemeinsam machten wir die Oxford Street unsicher und obwohl ich eigentlich nichts kaufen wollte, endete ich natürlich trotzdem mit Tüten in den Händen. Danke, Topshop. Nach einem kurzen Stopp in einem hippen Coffee-Shop lernten wir dann auch das wechselhafte Wetter Londons kennen. War es am Nachmittag noch trocken und einigermassen warm, regnete es nach unserer Kaffeepause draussen in Strömen und es war sehr kalt. Natürlich hatten wir beide genau heute nicht unsere hübschen Regenstiefel an, da wir angenommen hatten, das Wetter würde schon halten. Haha. Tja, Lektion gelernt. Man kann nicht auf den Londoner Sonnenschein zählen.
Auch wenn es wirklich Spass macht (vor allem oben ganz vorne) werde ich wahrscheinlich nicht allzu viel Bus fahren. Einfach weil es viel zu viel Busse gibt und ich noch nicht wirklich den Dreh raus hab, wo welcher wohin fährt.
Lachen ist gesund und heitert auf. Das war bei mir definitiv der Fall. Auch wenn die Schule mir hier eher einen reingewürgt hat: Die Ausflüge haben mich immer aufgeheitert und heute sieht die Welt bezüglich Schule schon nicht mehr so schlimm aus. (Ich habe ab nächster Woche Unterricht in einer Examenvorberitungsklasse für das CAE)
London ist eine riesige Stadt voller Gegensätze, die mich bereits jetzt in ihren Bann zieht. Ich liebe diese Megacity! Aber da sie auch sehr anstrengend sein kann, bin ich für jeden Moment Ruhe und Pause dankbar und nutze ihn gleich aus, um mich auf meine vier Buchstaben zu setzen. If I fit's, I sit's.
Hier mal ein kleiner Einblick in mein kleines Zimmer, das mein Zuhause für die nächsten vier Wochen sein wird. Ich lebe in dem einzigen Zimmer gleich im Erdgeschoss gegenüber der Eingangstür. Die Küche und ein kleines Bad sind direkt angeschlossen. Es gibt noch zwei weitere Geschosse mit Zimmern und einer weiteren kleinen Küche und Bad. Klopapier wird übrigens nicht gestellt, sondern muss selbst gekauft werden. Wenn man nur vier Wochen hier ist, braucht es keine ganze Packung an Klopapier, weswegen ich mit meinen beiden mitgenommenen Rollen klarkommen wollte/musste. Ein etwas anderes Abenteuer:) Insgesamt sind wir (glaube ich) fünf oder sechs Leute in der Wohnung. Die genaue Anzahl kann ich ehrlich gesagt gar nicht benennen, da ich mit den meisten gar nicht wirklich zu tun hatte. Traurig aber wahr.
Ein kleiner Appreciation Post für das Metrosystem von London. Es ist wirklich idiotensicher und ultra-einfach zu verstehen. Es gibt zwar viele Linien, aber da alles immer gut angeschrieben ist und Züge alle paar Minuten kommen, kann man sich auch gut mal irren und trotzdem schnell wieder an den richtigen Ort gelangen. Ausserdem ist es auch ziemlich billig. Mit der Oystercard geht es noch einfacher und schneller, von A nach B zu kommen. Ich kann also allen nur empfehlen eine solche Oystercard zu kaufen und so mit der Metro in London herumzufahren. Die Busse sind zwar süss anzusehen und definitiv ein Bild wert, aber insgesamt einfach viel zu kompliziert und langsam um simpel zu reisen.
London ist für seine crazy Vielfalt berühmt und ich habe mich ein bisschen davon anstecken lassen. Das erste Mal in meinem Leben habe ich mich dafür entschieden, meine ganzen Haare zu färben. Ganz den Mut hatte ich dann leider doch nicht und habe mich trotzdem nur für ein Haarfärbeshampoo entschieden. Um zu sehen ob mir das Orange überhaupt steht. Leider ist die Farbe dann nicht ganz so kräftig rausgekommen wie es auf dem Bild aussieht, aber wie ihr alle wisst bin ich dem Rot danach ziemlich lange treu geblieben. Und die Idee dafür kam mir in London.
Meine Zeit hier in London geht dem Ende zu. Vier Wochen waren viel zu kurz. Am Ende der Zeit kommt natürlich noch die Abschlussprüfung des Cambridge Advance Zertifikats dazu, die ich aber zum Glück mit ziemlich klarem Ergebnis bestehen werde. Am Samstag war die Prüfung, am Abend geht es mit ner Freundin auf einen Abschlussabend Sushi essen und in einen Club ein letztes Mal abdancen und am Sonntag gehts bereits wieder mit dem Zug nach Hause. Die Stadt hat sich in mein Herz geschlichen und ist zu meiner absoluten Lieblingsgrossstadt. Die Mischung von alt versus modern, das Essen und die Aktivitätsmöglichkeiten sind einfach der Hammer. Also, geht nach London, wenn möglich mit dem Zug (denn der ist super bequem und braucht nur 6h von Zürich über Paris nach London) und geniesst diese atemberaubende Stadt!