Mit der Ankunft am Mittwoch spätabends in Tallin beginnt mein Abenteuer "Auslandsemester"! Zusammen mit Yannou und Linda geht es zu einem Hostel in Tallin für die Nacht, wo wir unser viertes Mitglied der Auslandtruppe, Tobias, antreffen. Am nächsten Tag geht es nach einem Frühstück und dem Abholen des Autos für mich und Tobias zur Carhaltestelle. Wir beide werden mit LuxCar nach Tartu fahren, weil all unsere Koffer den Platz im Auto einehmen, welches Yannou in unsere Wohnung fährt. nach 2.5h Fahrt kommen wir in unserer Heimatsstadt für die nächsten 4 Monate an. Es wird gleich fleissig eingerichtet und auch ab und zu über nicht vorhandene Küchenutensilien und unaufgeräumte Schränke geflucht. Aber nichts desto trotz freuen wir uns über unsere tolle, moderne Wohnung, in der jeder ein eigenes Zimmer bekommt. Zufällig kriege ich das grösste Zimmer:) Mit einem grossen Einkauf (auf dessen Weg wir auch die nachkommende Linda aufgabeln, die in einer eigenen Wohnung leben wird) beginnen wir unseren Aufenthalt.
01.09
Freitags stand unsere "Willkommenszeremonie" in der Estonian Aviation Academy of Tartu an. Alle Erstklässler und neue Erasmus-Studenten sollten zusammenkommen und die Schule kennenlernen. Mit grossem Tamtam (inklusive der Hymne und einem Fahnenträger) begrüsste die Schule uns. Was wir dummen Ausländer aber nicht mitbekommen haben: Alle putzen sich raus (Kleider und Anzüge) für diesen speziellen ersten Tag. Und da standen wir nun, in Jeans und T-Shirt, leicht bedäppert neben herausgeputzten Vögeln. Leicht peinlich, vor allem weil auch jeder Schüler einzeln nach vorne gerufen wurde um ein Geschenk entgegenzunehmen und ein Bild mit dem Rektor zu machen. Vor gesamter Mannschaft!
Nach dieser Peinlichkeit ging es auf Schnitzeljagd, um die Schule besser kennenzulernen (da sie extrem klein ist, war das nicht unbedingt schwierig zu bewerkstelligen) und um andere Schüler kennenzulernen. Danach ging es noch den benachbarten Hangar vom Tartu Flughafen besichtigen, wo Ingenieur Studenten an alten Flugzeugen herumschnipseln können. Auf wirklich nützliche Informationen warteten wir leider vergeblich. Wir verabredeten uns mit anderen Erasmus Studenten aber noch für den Abend in einem Park. Dem einzigen Park, in dem öffentliches Trinken von Alkohol erlaubt ist. Wie in Amerika!!! Leicht angelämmert ging es für uns dann gegen ein Uhr nachts nach Hause
02.09 - 04.09
Samstags ging es für mich nach ausgiebigem Ausschlafen mit dem Bus in die Stadt, wo ich mich mit Linda traf, um einkaufen zu gehen. Sie brauchte noch zwei oder drei Jeans, da sie nur wenige mitgebracht hatte. Obwohl ich eigentlich keinen Platz mehr habe im Koffer, hüpfte auch bei mir etwas in die Einkaufstasche. Upsi! Am Sonnta ging es für uns noch einmal einkaufen (die haben doch tatsächlich auch Sonntags offen!) und am Abend machten wir einen gemütlichen Filmabend zu viert. Montags hatten wir auch noch einmal frei, welchen wir eigentlich im nationalen Museum verbringen wollten, welches aber natürlich genau montags geschlossen hatte. Also verbrachten wir nochmals einen Tag gemütlich in der Wohnung und am Abend war ein Spiel- und Kennenlern-Abend von unserer Schule geplant. Mit lauter Gruppenspiele lernten wir uns gegenseitig kennen, es machte wirklich sehr viel Spass. Danach ging es noch in eine Bar, in welcher wir noch den Abend bis Mitternacht verbrachten. Da wir aber am nächsten Tag Schule haben sollten, entschieden wir uns, dann endlich nach Hause zu gehen, um nicht am ersten Schultag wie wandelnde Leichen auszusehen.
Unser erster Tag beginnt mit 3h Provision of Air Navigation Services, dann eine grosse, vier stündige Pause, die wir in unserer Wohnung verbringen werden, bevor es Abends in unsere erste Stunde Estonian for Beginners geht. Hier in paar Kommentare zum ersten Eindruck der Schule.
Dieser eine Schulraum, den wir in der Lektion hatten, war leicht dämlich aufgebaut. Vierer-Tische randomly im Raum verteilt, sodass man sich immer den Kopf verrenken muss um auf die Leinwand schauen zu können. Hoffen wir mal, dass nicht alle so aufgebaut sein werden.
Die Schule scheint irgendwie leicht verpeilt und nicht gut gemanaged zu sein. Wir sind noch immer nicht eingetragen in unsere Moodle Kurse, können bis jetzt also noch auf keinerlei Folien zugreifen. Dabei ist mindestens eins unserer Fächer ein reiner Onlinekurs, welchen ich also wirklich gerne mal verfügbar hätte. Allgemein kommen die Infos nur spärlich und die meisten müssen wir selbst den Personen aus der Nase ziehen.
Der Unterricht scheint, gegenüber unseren Kursen in der Schweiz, eher...einfach zu sein. Was wir bis jetzt so mitbekommen haben, sind die Lehrer extrem gründlich mit den Themen, was alles langsamer und gemütlicher macht lernmässig. Das erste, was wir vom ersten Lehrer gehört haben, war, dass wir uns keine Sorgen um Bestehen der Prüfung machen sollten, sie seie wirklich einfach...Also ich mags hier:)
Gleich nach Aviation English ging es um 12 Uhr Mittags los in Richtung Lettland. Den ersten Nachmittag verbrachten wir grösstenteils mit Autofahren. Den Road Trip unterbrachen wir für ein altes Schloss, welches teils in Ruinen vorlag und teils wieder restauriert wurde. Mit altertümlichen Laternen bewaffnet ging es auf Schatzsuche. Das Schloss war echt wunderschön und brachte einen zurück in die (eher blutige) Vergangenheit der Burg. Manchmal ist man echt froh, im 21.Jahrhundert zu leben... Nach dieser Pause geht es weiter nach Riga in unsere Unterkunft für die nächsten drei Tage. Diese ist zwar eher heruntergekommen und düster, aber billig und reicht fürs Schlafen. Es geht Abends gleich weiter mit einem Drink und Karaoke in Riga.
Den nächsten Tag verbrachten wir mit einer gemütlichen Stadttour nach einem späten Frühstück. Wir bummelten mal hierhin und mal dorthin und genossen einfach die wunderschöne Altstadt. Ausserhalb der Altstadt gehört Riga definitiv nicht zu meinen Lieblingen, aber die Altstadt lässt sich wirklich sehen. Nach einem stärkenden Kaffee und einer tollen Aussicht auf einer grossen Kirche ging es noch in die riesige Markthalle der Stadt, um eine typisch lettische Suppe im Brot zu essen. Wirklich lecker! Abends ging es in ein uriges untergeschossiges Restaurant in einem ehemaligen Weinkeller oder so, wo ich das wohl interessanteste Knoblauchbrot gegessen habe. Mit schwarzem Brot und über und über bespickt mit Knoblauch konnte ich noch drei Tage später den Knoblauch schmecken, aber gut war es trotzdem.
Den zweitletzten Tag verbrachten wir am nördlichsten Strand von Lettland bei wunderbarem Wetter. Eigentlich wollten wir noch baden, aber das Wasser war voller kleiner Quallen und das Risiko, gestochen zu werden wollten wir nicht eingehen. also badeten wir nur unsere Füsse und genossen den Sand. Dann ging es per Auto noch ganz in den Süden, fast bis zur Grenze von Litauen. Dort ging es noch eine russisch orthodoxe Kirche besichtigen, allerdings nur von aussen, denn wir waren nicht prüde genug angezogen um reinzugehen. Essen ging es in einem kleinen Fastfood Wok/Kebab Restaurant und dann ging es wieder zurück nach Riga.
Am nächsten Tag fuhren wir wieder die meiste Zeit, mit einem Halt in einem Outlet Village. Danach ging es von Riga aus Richtung Norden über die Grenze zu Estland und wieder zurück nach Tartu. Insgesamt waren es wirklich schöne dreieinhalb Tage voller schöner Aussichten und Abenteuer. Danke, Lettland!
Dieses Wochenende verbringe ich alleine in Tallin. Grund dafür ist das Wochenende, dass Tobias, Yannou und Linda in Stockholm verbringen werden. Sie haben einen billigen Flug mit Ryanair gefunden und sind Donnerstagnacht geflogen. Ich wollte nicht nur für ein Wochenende ein Flieger benutzen und bleibe darum die drei Tage in Tallin. Ein wenig Alone-time schadet auch nicht, immerhin sitzen wir praktisch 24/7 aufeinander in der WG und der Schule. Freitag und Samstag sind also Aktivitäten angesagt und Sonntags gehts für mich mit dem Bus wieder nach Tartu zurück. Es gibt immerhin noch viel Schule (mehr oder weniger viel:)) und sonstige Arbeiten zu erledigen.
Samstags war leider nicht so schönes Wetter. Grau und regnerisch. Da ich den Tag aber sowieso tauchend verbringen würde, störte mich das nicht so sehr. Mit dem Auto ging es in das 50 Minuten entfernte Rummu, in eine ehemalige Mienenstadt. Bis zum Ende der Sovjetunion wurde die Miene von den in der Nähe gelegenen Gefängnisinsassen als Zwangsarbeiter betrieben. Als sich die Sovjetunion auflöste, wurde auch das Gefängnis und die Miene aufgegeben. Durch Grundwasser füllte sich die Miene langsam aber sicher und flutete Baracken und den eben gewachsenen Wald. Nun ist es durch seinen Unterwasserwald und die gefluteten Gefängnisräume und kristallklares, grünes Wasser ein einzigartiger Tauchplatz für Taucher aus aller Welt. Das durfte ich natürlich nicht verpassen.
Eigentlich hiess es, ich solle um 12 Uhr dort auftauchen. Dort angekommen wurde ich gefragt, warum ich eine Stunde zu spät auftauche. Es kam heraus, dass das Management zwar uns Taucher, aber nicht den Dive Guide von der einstündigen Zeitverschiebung informierte, welcher also um 11 auftauchte und sich fragte, wo wir blieben. Mit zwei weiteren Tauchern in meinem Alter ging es dann so gegen ein Uhr endlich auf den Tauchgang. Mit 17 Grad kaltem Wasser eine komplett andere Erfahrung. Aber der Tauchgang war fantastisch und sehr einfach, vor allem auch weil alles auf maximal 7 Meter Tiefe stattfand. Dort unten war tatsächlich noch alles so vorhanden wie dazumals. Also Gefängnismauer mitsamt Lampen und Stacheldraht, Baracken mit Stockbetten und so weiter. Ein wenig unheimlich, aber auch unheimlich toll!!!
Einer von insgesamt vier Monaten hier in Estland ist bereits vorbei, und was für ein ereignisreicher Monat es gewesen ist! So vieles durfte ich erleben und bestaunen, so viel Freizeit geniessen und so wenig schulisches erledigen:) Es ist unglaublich, dass ein Viertel bereits vorbei sein soll. Irgendwie fühlt es sich an, als wäre es gerade erst ein paar Tage her, seit ich hier angekommen bin, und gleichzeitig fühlt es sich an als wäre es länger als "nur" ein Monat, den ich hier bereits verbracht habe.
Ein Nachbarland wurde besucht, die Hauptstadt begutachtet, ein Tauchgang in einem ehemaligen Gefängnis gemacht, geshoppt, Prüfungen geschrieben und bestanden, Papierkram erledigt, Gym gerockt, eine WG gegründet und am überlebt werden und Freundschaften geschlossen. Estland fühlt sich langsam aber sicher nach einem zweiten Zuhause an und die Sprache wird auch mit jeder Lektion mehr entschlüsselt, auch wenn ich immer noch nur Bahnhof verstehe:)
Ich bin so dankbar für diesen Monat und freue mich unendlich auf die weiteren knapp drei Monate, die ich hier verbringen darf! Auf weitere Abenteuer, Sprachlektionen, Shoppingtrips, freundschaftliche Momente, Sporteinheiten und Reisen!
Am morgen ist von 9.15 bis 12.00 Provision of Air Navigation Services angesagt. Da geht es um Luftnavigation und alles drumherum. Der Lehrer ist zwar nett und weiss von was er spricht, aber er ist gleichzeitig eine rechte Schlaftablette. Dies macht es uns leider nicht einfacher, dem eher trockenen Schulstoff zu folgen. Nachmittags war bis jetzt immer frei, mit 3 Online Kursen gibt es aber eigentlich immer wieder was zu tun:)
Auch dienstags ist Air Navigation Services angesagt (meistens) und dann nach einer riesigen Pause, die wir in der Wohnung verbringen, geht es auf zu Estnisch für Anfänger. Dieses 3 ECTS Fach, das als einfach und mega praktisch angepriesen wurde, hat sich als nicht so einfach, jedoch tatsächlich praktisch, entpuppt. Nach diesen eineinhalb Stunden vollkommener Konzentration und Erlernen einer völlig neuen und komplizierten Sprache rauchen uns die Köpfe. Die Sprache ist lustig, aber mit ihren 14 Fällen, in denen sich sogar Namensendungen verändern, auch ein Brainfuck.
Mittwochs gehts auf zum Aviation English, das auch von 9.15 bis Mittags stattfindet. Da wir zusammen mit 1.Semestlern Unterricht haben, gibt es für uns 5.Semestler leider eher wenig zu lernen. Immerhin erlenen sie die Basics der aviatikbasierten Englischen Sprache und sonstige Einführungsthemen in der Aviatik. Die Lehrerin versucht zwar ihr Bestes, aber mit ihrem eher langweiligen Fach, der Anwesenheitskontrolle und der idiotischen Aufgaben fühle ich mich in die Primarschule zurückversetzt, was sie nicht zu meiner Lieblingslehrerin macht. Auch am Mittwoch steht der Nachmittag zu unserer freien Verfügung.
Meistens ist Donnerstag (wie alle anderen davor auch:)) sehr chillig. Der Unterricht beginnt und endet mit Estnisch für Anfänger um halb fünf Abends. Mehr gibt es zu diesem Tag nicht zu sagen, auch wenn es die nächsten Wochen anstrengender werden wir, da wir ein Fach mehr haben werden an diesem Tag.
Ein zweites Mal müssen wir uns in einer Woche an diesem Tag durch Aviation English quälen. Doch immerhin ist danach bereits mittags Wochenende angesagt. That's the end of the week, guys:)
Wir haben viele Pläne an den Wochenenden, sei es ein kleiner Ausflug nach Tallin, oder grössere Ausflüge nach Lettland, Saaremaa oder Narva. Die meisten Wochenenden sind irgendwie verplant, entweder als Gruppe oder auch als Einzelpersonen. Bis jetzt sind eigentlich nur noch die Wochenenden im Dezember frei, aber auch da werde ich schon was zu unternehmen wissen:)
Dieses Wochenende geht es für uns vier nach Saaremaa, der grössten Estland zugehörigen Insel, für ein Spa-Weekend in einer Waldhütte. Frühmorgens um halb acht geht es auch schon los auf die lange Fahrt zum Fährhafen (3h) und von dort eine halbe Stunde rüber. Da wir erst um 15:00 einchecken können, umrunden wir zuerst die Vor-Insel Muhu und legen ein paar Stopps ein an einer schönen Küste, am nördlichsten Punkt der Insel und an einem Outdoormuseum mit authentischen mittelalterlichen Häusern von Anno dazumal. Um drei Uhr nachmittags geht es auch endlich in unsere Hütte, und die lässt sich wirklich sehen! Topp modern ausgestattet mit allen möglichen Bosch Haushaltsgeräten, zwei wunderschönen Zimmern mit Bad, einem Hottub, Kaltwasserteich und einer Glassauna ist die Hütte ein wahrer Spa-Traum! Hier lässt es sich leben für die nächsten 2.5 Tage.
Nach einem späten Ausschlafen und dem Anheizen des Hot-tubs und der Sauna ging es für uns zu einem kurzen Besuch einer alten Windmühlenausstellung. Die Ziegen die dort waren waren zwar spannender, aber es tat trotzdem gut ein wenig die Beine zu vertreten. Danach ging es für einen ersten Doppel-Durchgang in die Sauna/Hot-tub mit einem Zwischenstopp im eiskalten und 5 Meter tiefen Teich, was ein wenig Überwindung kostete aber so gut tat! Nach einem späten zu Abend essen ging es noch eine Runde raus. Man muss es geniessen, so lange es zu haben ist:)
Um 12 war Checkout, deshalb genossen wir noch einen entspannten Morgen in der Hütte bei einem gemütlichen Pfannkuchenfrühstück. Dann hiess es Abschied nehmen von der tollen Hütte und es ging weiter zu dem südlichsten Punkt der Insel, einem Leuchtturm. Auch wenn es schönes Wetter war, war es extrem windig und eisig kalt. Darum durfte ein Rennen zu der Spitze nicht fehlen, um warum zu werden. Durch die Hauptstadt der Insel mit einem Besuch in dem dort ansässigen, wunderschönen Schlosshof ging es dann Abends wieder mit der Fähre aufs Festland und kamen schlussendlich um 10 Uhr Abends in der Wohnung an. Was ein angenehmes Wochenende!
Unglaublich aber wahr, meine Zeit hier in Estland ist bereits zur Hälfte zu Ende. Nur noch 7 Wochen bleiben mir noch in meinem Auslandsemester. Etwas, das ich mir seit Jahren erträume, ist bald fertig, und ich kann es kaum glauben. Wie die Zeit rennt! Bald bin ich wieder Zuhause, bald ist Weihnachten, bald gehe ich weiter nach Südafrika (nach diesen ganzen dunklen und kalten Monaten hier kann ich ein wenig Sommer ganz gut vertragen) und dann fängt bereits mein letztes Semester an!
Was ich nach diesen zwei Monaten über Estland sagen kann:
- Alleine zu leben mag ich, das WG-Leben ist auf lange Zeit aber nichts für mich
- Uni hier ist im Generellen sehr viel einfacher vom Schulstoff her, aber gleichzeitig fühle ich mich wie in der Primarschule mit den Absenzen-Listen und Hausaufgaben die kontrolliert werden. Sind wir erwachsen oder nicht?!
- Tallinn hat die schönste Altstadt die ich je besucht habe.
- Einkaufen hier ist sehr viel einfacher, da alle Läden bis um 9 Uhr abends und auch Sonntags offen haben.
- Tattoos sind hier sehr viel günstiger.
- Alles hier ist langsamer und weniger effizient als in der Schweiz, seien es Schule, einkaufen oder sonstiges Management.
- Der Wind hier ist nasty, arktische Temperaturen sind nicht so meins auf lange Zeit.
Wie im Flug ist auch dieser Monat vorbei gegangen. Bleiben noch knapp zwei übrig. Schule hat sich nicht wirklich verändert im Generellen, einfach ist es noch immer, schwierig ist noch immer nur Estnisch. Es wird mit jedem Tag kälter und dunkler (immerhin werden wir im Dezember nur noch so knappe 4/5 Sonnenstunden haben) und die Umwelt wird brauner. Aber das ist ja nicht anders in der Schweiz. Im letzten Monat haben wir ein Wochenende auf Saaremaa verbracht in einer wunderbaren Hütte und ein Tag wurde in Tallinn verbracht, da wir Reifen wechseln mussten und dies vom Mietvertrag her in der Stadt machen konnten. Dies verbanden wir mit einem Shoppingtrip in der grössten Mall Estlands. War aber gar nicht sooooo gross...Ansonsten gab es für mich und Linda ein Girls-Weekend, da Tobias in Tallinn mit seiner Freundin war und Yannou nach Hause flog für ein Weekend. Wir buchten uns eine Massage und ein Facial und verbrachten den Abend kochend, Gin trinken, tratschend und Barbie schauend in der Wohnung. Mein Tattootermin war auch am 1.November und jetzt bin ich um zwei Tattoos reicher. I LOVE them!!!
Ich bin gespannt was der nächste Monat so zu bieten hat abgesehen von kaltem Wetter:)
Für einen Kuzrausflug gings über Wochenende nach Narva, in den Osten Estlands. Narva ist die Stadt, welche direkt and Russland grenzt und nur durch eine Brücke davon getrennt ist. Was ansonsten natürlich vollkommen uninteressant wäre (ausser dass ein Ausflug nach St.Petersburg ganz cool gewesen wäre) ist in der jetztigen Zeit natürlich ein wenig brenzliger.
Da Narva selbst nicht wirklich viel zu bieten hat (die Stadt wurde während dem 2. Weltkrieg zu 95% zerbombt und besteht heute nur noch aus typischen Sovjetzeit Bunkern) besuchten wir sie nur am Samstag. Übernachtet wurde in einem Hotel (zur Abwechslung mal kein Hostel:)) und am nächsten Tag ging es mit dem Auto auch bereits wieder in Richtung Tartu, allerdings mit zwei Zwischenhalts an einem Chemiesee und im Lahemaa Nationalpark. Das Wetter war zwar nicht prickelnd, aber immerhin regnete es auch nicht. Und ein wenig wandern tat auch mal wieder gut, auch wenn es sich nur um 1.5 Stunden handelte.
Die grösste Elektro-Industrie Estlands produziert hier den Strom fürs praktisch ganze Land. Abfallstoffe landen in künstlichen Seen, welche die schöne, wenn auch tükische Farbe des Sees hervorbringen. Baden nur für Dumme:)
Zu einem etwas schöneren und vor allem natürlicheren Ort ging es danach. Die Moorlandschaft Lahemaas ist wirklich wunderschön und verwunschen und einen Besuch wert.
Dass meine Eltern mich besuchen kommen würden an diesem Wochenende ist bereits seit längerem geplant worden. Dass Nicola ebenfalls dabei sein würde hingegen war eine totale, aber willkommene, Überraschung für mich und hat mich RIESIG gefreut! Bereits am Freitag Abend habe ich sie am Flughafen abgeholt und gemeinsam ging es für einen Willkommens- und Schlummertrunk in die Hotelbar. Es gab viel zu erzählen nach knappen 2.5 Monaten nur Telefongespräche (die reichen einfach nicht aus!). Samstag und Sonntag ging die Entdeckerreise los. Da das Wetter leider nicht so wirklich mitspielte holten wir uns eine Tallinn Card und spazierten von Altstadt zu Museum zu Burg und ins nächste Museum. Hier eine Liste mit den Dingen die wir uns ansahen:
Um 14:00 nachmittags ging es für uns mit dem Car von Tartu nach Tallinn los. Nach 2.5h erreichten wir die Hauptstadt, wo wir das gesamte Gepäck auf die Fähre und in eine vorgebuchte Kabine schleppten. Nach nochmaligen 2.5h erreichten wir Helsinki, jetzt bereits 21.00, wo wir von unserem finalen Car erwartet wurde, der uns bis nach Saareselkä fahren sollte. Dort sollten wir allerdings erst in ungefähr 24 Stunden ankommen. Dazwischen lagen eine lange Fahrt über Nacht und zwei Zwischenhalts, einmal im Arktikum, einem Museum, und einmal in Santa Claus Village. Nach einer eher unangenehmen Fahrt ohne viel Schlaf im unbequemen Bus mit Pipipausen kamen wir endlich im Arktikum an, welches sehr informativ war. Das Santa Claus Village war schön, aber ehrlich gesagt eher eine Touristenfalle und ganz anders als von mir ausgemalt.
Nach Santa Claus Village ging es für uns endlich auf zum Endspurt in Richtung Saareselkä. Doch leider gab es eine kleine Panne. Plötzlich ertönte im Bus ein Warnsignal, alles stellte ab und der Motor ging nicht mehr. Nichts ging mehr. Der Fahrer musste sogar mit Handbremse bremsen, da nicht einmal mehr die Bremse richtig funktionieren wollte. Auch nach mehrmaligem Versuchen ging nichts mehr im Bus. Also hiess es sage und schreibe 2 Stunden warten, bis wir von einem der zwei anderen Busse für die ESN Gruppe (also andere Studenten von Tartu) abgeholt wurden. Wurde am Schluss eher kalt, kann ich euch sagen. Dann endlich ging es auch für uns zu unserer kleinen Blockhütte. Zu acht durften wir eine kleine Hütte teilen. Zimmeranzahl ging gut, aber mit nur einem Bad/Toilette wurde es in dieser Woche immer mal wieder eng. Vielversprechender Anfang, würde ich sagen.
Der erste richtige Tag hier oben fängt für uns bereits vollgepackt an. Morgens ging es für uns zu einer Huskysafari. 20 Minuten Schlitten fahren und Knuddeln inklusive. Das Knuddeln hat mir definitiv am besten gefallen, die sind einfach ZUCKER!!! Nach 1h Pause ging es bereits weiter, zu Cross Country Skiing. Habe ich noch nie gemacht, war eigentlich auch gar nicht so schwer, aber tatsächlich wirklich anstrengend! Dann ging es nach einer weiteren 2h Pause gleich nochmals weiter, dieses Mal mit den Schneeschuhen. Dunkel war es bereits seit langem, obwohl es erst kurz vor vier war. Das Schneeschuhlaufen war sicherlich eines meiner Highlights hier. Im unberührten Nationalpark in der Dunkelheit im tiefen Schnee zu laufen, in einer totalen Stille, war einfach spektakulär! Dann hiess es für uns endlich Feierabend. Todmüde ging es für mich bereits recht früh ins Bett. Morgen geht es früh wieder los, Rentiere füttern!
Es ging raus in den eiskalten Morgen in Richtung Rentier Farm. Dort wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei wir uns zuerst am Feuer machen probierten. Bei mir und Linda wollte das mit dem Magnesiumstab nicht so recht funktionieren. Irgendwann gaben wir auf, unsere Finger waren in der Eiseskälte bereits ganz eingefroren. So kalt war es wirklich noch nie! Minus 25 Grad Celsius stand einmal im Bus. Danach ging es Rentiere füttern. Es gab nur 3 auf der Farm, da der Rest frei umherstreift. Süss waren sie trotzdem. Aber irgendwann wollten wir nur noch ins Warme, da wir unsere Füsse gar nicht mehr spürten.
Nach langer Mittagspause ging es für uns abends mit dem Bus auf Aurora Suche. Das Wetter wollte aber leider nicht so wie die Polarlichter-Vorhersage, und sehen taten wir die ganzen drei Stunden nichts. Dafür gab es zu viele Wolken und zu viel Vollmond. Aber das Spielen auf zwei zugefrorenen Seen war toll!
Obwohl wir am gleichen Abend noch auf Suche danach waren, bekamen wir die Polarlichter erst zurück in unserer Hütte zu sehen. Zwar nur ganz leicht, von Auge fast nicht zu sehen, dafür mit Handy ein wenig besser. Aber wunderschön war es trotzdem!
Bereits um 7.00 morgens ging es für uns mit dem Car auf die 4h Reise nach Norwegen, zur Barentsee. Dazwischen wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenaufgang (die Sonne selbst bekamen wir aber den ganzen Tag nicht zu Gesicht) und einem hübschen, halb zugefrorenen Fluss belohnt.
Obwohl ich es eigentlich mit meinem Tattoo nicht machen durfte, ging es für mich und die anderen in eine grosse Sauna (für mich so kurz wie möglich), um gleich danach ins eiskalte, vier-grädige, Meer zu springen. Leben pur! Ich habe mich noch nie so lebendig gefühlt wie in diesem Augenblick.
Nach dreimaligem Sauna/Eisbaden ging es für uns ins nächstgelegene Städtchen Bugoynes und in ein lokales Restaurant, wo es frische Fischsuppe zu essen gab. Sehr lecker! Ein abartig schöner Sonnenuntergang verabschiedete uns bereits um drei Uhr Nachmittags auf unsere Rückreise.
Der letzte Tag hier im Norden ist bereits angebrochen. Linda und ich haben uns entschieden, für unseren letzten Morgen nochmal Schneeschuhe ausleihen zu gehen und damit nochmals den Schnee zu geniessen. Es war eine gute Entscheidung und war ein perfekter Abschluss für die knappe Woche Aufenthalt hier.
Ich bin so unendlich dankbar, dass ich diesen Trip machen konnte und auch mit Schule nicht zu sehr hinterherhinke jetzt, obwohl wir so viel verpasst haben. Easy Unterricht sei Dank. Lappland ist echt ein Winter Wonderland und ein kristallklares Paradies. Im Sommer muss es auch wunderschön sein, und ich werde auf jeden Fall ein weiteres Mal hierher kommen.
Unbelievable but true
Dieses Auslandsemester, welches ich mir seit Jahren erträumt und erwartet habe, ist doch tatsächlich bereits wieder zu Ende. 4 Monate sind wie im Flug vergangen und jetzt heisst es schon bald wieder abreisen. Die letzten beiden Wochen waren gefüllt mit Schule, packen, verabschieden und planen. Aber erstmal alles der Reihe nach...
Die zweitletzte Woche hier in Estland ist von vorne bis hinten gefüllt mit Schule, wers glaubt oder nicht:) Und zwar haben wir mehrere Blocks Logistics und eine letzte Prüfung. In Logistics heisst es nochmals oder endlich mal Gas geben, ganz viel recherchieren und schliesslich einen Report schreiben und ein Referat halten. Wirklich spannend ist es nicht, aber naja. Und die Aviation English Prüfung war auch wie immer ein Klacks, wirklich dafür lernen oder uns anstrengen mussten wir nicht. Auch hier erreichte ich eine 91% Gesamtnote.
Die letzte Woche besteht aus packen, aufräumen, die letzten Weihnachtsgeschenke in Tallinn shoppen gehen und Tschüss sagen. Ein Opernbesuch, eine Weihnachtsparty von der Academy und ein letztes Bild vor der Schule später geht die Geschichte auch schon zu Ende. Eine Geburtstagsparty für eine weitere Erasmusstudentin wird natürlich auch noch gleich mitgenommen. Freitags heisst es Wohnung abgeben und mit dem Bus nach Tallinn fahren. Dort wird ein letztes Mal Tallinn genossen am Weihnachtsmarkt und unglaublicherweise heisst es dann Samstag früh um 4 Uhr Abschied nehmen von Estland. Der Flug geht pünktlich um halb sieben und um halb neun sind wir bereits wieder in der Schweiz. Ein grosses Kapitel in meinem Leben geht hiermit zu Ende.
Ich kann gar nicht in Worte fassen wie unglaublich diese 4 Monate waren und wie schön es war, diese mit den drei Menschen zu teilen. Ohne Linda, Yannou und Tobias wäre es nie so toll geworden wie es war. Auch wenn ich die Uni dort nicht wirklich vermissen werde (ausser wie einfach sie war), so werde ich doch vieles anderes vermissen. Danke Estland, danke Estland-Gang, und danke an meine Eltern, die mir dieses unglaubliche Abenteuer ermöglicht haben und mich wie immer vollends unterstützt haben! Es bedeuted mir die Welt!
Aber lange kann ich Estland nicht nachweinen. Weihnachten, Sylvester, und, Trommelwirbel,....eine weitere Reise steht ja schon wieder bevor!
am 3.1 geht es ja schon wieder auf ins nächste, längst überfällige, Abenteuer namens Buffelsdrift Game Lodge in Oudtshoorn, South Africa!