14.November 2019 - 14.Dezember 2019: Meine einmonatige Reise in die Seychellen für ein Diving-Volontariat geht los. Einen Monat lang tauchen was das Zeug hält! Let's go!
Über Google fand ich diese Organisation "GVI", die überall auf der Welt verschiedenste Projekte, meist mit tauchen, anbietet. Da es aber insgesamt eher teuer war, buchte ich "nur" die einmonatige Freiwilligenarbeit im Bereich "Marine Conservation" in den Seychellen. Bereits vor Antritt der Reise bekam ich den Auftrag, über 40 verschiedene in den Seychellen heimische Korallenfischarten auseinanderzuhalten und benennen zu können. Gar keine so leichte Aufgabe, aber es ist wie Vokabeln lernen. Und darin war ich schon immer ganz gut. Also auf geht's ins neue Abenteuer und rein ins Flugzeug!
Die ersten beiden Tage nach dem Ankommen war noch Zeit, um sich auf der Insel anzuklimatisieren. Dafür hatte ich eine Übernachtung in einem Hotel in der Hauptstadt gebucht und dort traf ich mich auch gerade mit der Gruppe von Gleichaltrigen, mit denen ich im nächsten Monat am meisten Zeit verbringen würde. Dann ging es los zu unserer Base und Unterkunft für die nächsten 30 Tage.
Die beiden Tauchanbieter SSI und PADI mögen sich nicht besonders, was ich gleich in der ersten Woche bemerkt hatte. Denn ich musste den Advanced Kurs gleich ein zweites Mal über mich ergehen lassen, obwohl ich bereits einen gemacht habe, nur leider bei SSI, und GVI wollte unbedingt dass ich auch noch (den gleichen) in PADI Format absolvierte. Also war die erste Woche durchplant mit Tauchgängen für einen Kurs, den ich eigentlich bereits in der Tasche hatte. Jetzt besitze ich zwei Advanced Zertifikate. Yey!
Die Unterbringung in der Base ist...gewöhnungsbedürftig und verdient darum einen eigenen kleinen Beitrag (weiter unten). Vorerst sei mal gesagt dass es nicht die schönste und/oder luxuriöseste Unterbringung war in der ich je längere Zeit verbracht habe.
Die Base war, soviel ich verstanden habe, früher einmal eine kleine Schule und wurde aus irgendwelchen Gründen verlassen. Geschlafen wurde in Gemischt- oder Unisex-Säälen von je 6 Personen. Ich kam in das Zimmer mit jeweils 3 Mädels und drei Jungs (ich inklusive).
Die Zimmer waren halb offen und darum auch nicht sicher vor tierischen Mitbewohnern. Geckos wären mir ja egal gewesen, aber die Spinnen überall mussten echt nicht sein. Nicht einmal mit einem Netz über dem Bett war man vor ihnen sicher...Horrorstorys ahoi. Einmal wachte ein Mädchen auf und IN ihrem Moskitonetz direkt über ihrem Gesicht hing eine riesige, haarige Spinne. Und anscheinend gab es kurz vor unserer Ankunft eine eklige Mausplage. Laut den Leuten dort wurde einfach alles angeknabbert und angefressen was am Boden lag. Zum Glück haben sie dieses Problem beheben können bevor wir in der Base ankamen.
Die Bäder (Jungs/Mädchen getrennt) waren immer irgendwie dreckig (da niemand barfuss reingehen wollte und man so den Dreck der Flipflops mitnahm), Klospülung gab es nicht, man musste mit einem Kübel selbst spülen. Die Duschen wurden auch nicht von Spinnen verschont. Kochen musste man in abwechselnden Gruppen selber, was für solch eine grosse Gruppe eher anstrengend ist. Und wirklich hygienisch war sie auch nicht, da an den Decken Geckos hingen und dann und wann einer runterfiel in das Essen. Guten Appetit!
Nebst dem Advanced Kurs absolvierten wir auch noch Test-Dives mit den Coaches, um das "Fischchenzählen" für die Conservation Dives zu üben. Dabei mussten wir auf einer Tafel jeweils die Fischarten, denen wir beim Tauchgang begegneten, aufschreiben und die Anzahl zählen. Am Ende des Dives wurde die Tafel kontrolliert. War der Coach nach mehreren Dives zufrieden mit der Auswertung, wurde man "befördert" und man konnte ohne Aufsicht mit einem Buddy der zweiten Fischgruppe (Kommerzielle Fischarten) auf offizielle Tauchgänge gehen. Ich war die erste meiner Gruppe, die befördert wurde:) Wirklich spannend war die Tätigkeit zwar nicht, aber manchmal wirklich herausfordernd, da Fische ja immer gleich aussehen und auch nicht fürs Zählen stillhalten. Ein ungefähres Abschätzen musste also manchmal herhalten.
Am Wochenende (Freitag & Samstag) ist Zeit, um die Insel zu erkunden. Die Hauptstadt ist eine holprige, atemberaubende und eher beängstigende Busfahrtstunde von der Base entfernt. Dort haben wir an einem Wochenende die Stadt unsicher gemacht und den Markt besichtigt.
An einem anderen Tag gingen wir als ganze Gruppe aus, an eine Party. Nicht so unbedingt meins, aber Spass hat es trotzdem gemacht.
Das Inselleben im Allgemeinen hat vieles für sich. Seien es Ausflüge in die inseleigene Rumindustrie, Cafébesuche oder gemeinsame Themenabende wo ich mich als Schaf verkleiden musste. Es ist immer was tolles dabei.
Rechts abgebildet ist der Tagesplan eines Wochentages, der jeden Tag gewechselt wird. Um 6:45 steht man auf und hat bis halb acht Zeit für seine Ämtchen. Hat man frei, kann man ein wenig länger schlafen. Die erste "Wave", also der Abmarsch für den ersten Tauchgang, war bereits um halb neun. Gleich danach kommt die zweite Wave. Dann ist Lunch bevor die dritte und letzte Wave rausgeht. Um sieben ist Abendessen. Wer wann taucht kann man recht neben dem Tagesplan sehen. W1 ist die erste Wave usw. Darunter stehen die Namen der Personen die gemeinsam tauchen. In diesem Beispiel haben Jacob, Hans und Pascal einen Fundive zusammen mit Sarah und die Fischchenzählerpaare sind Clea mit Lena, Ich mit Malou und Valentina mit Shala. Abends gehts dann todmüde mal früher mal später ins Bett. im Bild linksunten seht ihr den Tackroom mit all unserem Tauchequipment.
Eine kleine Geschichte dazwischen, die mich gelehrt hat, wie viel Respekt man vor Wasser tatsächlich haben sollte. Nicht, dass es mir an Respekt für die Unterwasserwelt fehlte als Taucher, aber nach diesem Geschehen geht mein Respekt noch tiefer. Und zwar ist Folgendes passiert:
Durch den Sturm waren wir nun bereits seit 8 Tagen wortwörtlich "gestrandet" und konnten nicht tauchen, da die Wellen und Strömungen zu stark waren. Wie ihr euch sicher denken könnt waren wir "not amused" darüber. Eine Gruppe von 8 Leuten (inklusive mir) kam auf die glorreiche Idee, ein Bad zu nehmen, weit aussen in der Lagune wo das Riff uns vor den Wellen schützte. Da es ziemlich lange relativ seicht war, liefen wir rein. Als das Wasser zu meiner Brust reichte, entschied ich mich dagegen, weiter zu gehen, da ich eine ziemlich miserable Schwimmerin war und mich nicht weiter getraute. Mit einer anderen kehrte ich also um und bemerkte bereits beim zurück waten, dass die Strömung gegen uns in Richtung offenes Meer ziemlich stark war. Es kam wie es kommen musste: als wir beide den Strand erreichten und uns umdrehten, kamen uns bereits drei der sechs Personen, Arme über dem Kopf schwingend, entgegen. Wegen der Entfernung konnten wir sie nicht hören und kommunizierten so mit Tauchersprache und fragten mit Handzeichen, ob sie in Gefahr waren. Sie bejahten und das war der Zeitpunkt wo ich meine Beine in die Hand nahm und die Strecke zur Base zurückrannte. Ohne zu wissen was überhaupt genau los war informierte ich die Leiter und sie fuhren mit dem Auto zum Strand runter und dort zum Boot. Die drei waren inzwischen völlig erschöpft und unter Schock am Strand angekommen und erzählten uns, was geschehen ist. Der vorderste der sechs erreichte den Bereich des Korallenriffes und wurde prompt von der starken Strömung ins Meer gerissen, da er nicht mehr stehen konnte. Er geriet in Panik und zwei weitere stürzten ihm hinterher, um ihn zu retten. Dabei gerieten sie selbst in Not (da eine panische Person alles tun würde um sich zu retten, sogar andere unter Wasser drücken) aber sie konnten sich mit Müh und Not zu einem Felsen retten. Da das Boot wegen der grossen Wellen und der starken Strömung nicht nah genug an die Felsen rangehen konnte um sie zu retten, musste die Seerettung mit Jetskis anrücken, die weitaus agiler sind. Dies dauerte aber knappe drei Stunden, in welchen die drei ohne Sonnenschutz oder Wasser in der prallen Pazifiksonne ausharren mussten. Inzwischen hatte sich das Unglück praktisch auf der gesamten Insel rumgesprochen und Feuerwehr, Polizei, Touristen und sogar Reporter hatten sich am Strandabschnitt eingefunden. Mit einem starken Sonnenstich und unter Schock konnten die drei schlussendlich vom Felsen gerettet und zurückgebracht werden. Ohne eine ordentliche Standpauke kamen wir (verständlicherweise, da wir als Taucher es eigentlich hätten besser wissen müssen als in fremdes, aufgewühltes Gewässer zu gehen) leider nicht davon. Auch wenn es nochmals gut ausgegangen ist und keiner ernstlich verletzt worden ist, gehe ich seither nie mehr tiefer als in hüfthohes Wasser im Ozean.
Jeweils einmal im Monat bekamen wir Volunteers für ein verlängertes Wochenende frei, um "Ferien" zu machen. Nach dem Schockmoment vom "Fast-Tod" eines Mit-Volunteers wenige Tage davor eine willkommene Ablenkung. Wir entschieden uns zu siebt, eine Wohnung auf Praslin (einer Nebeninsel der Seychellen) zu mieten und dabei auch gleich zwei weitere Inseln zu erkunden in Tagesausflügen.
Die ersten drei Tage waren wir eine Gruppe von 6 Personen (die gleichzeitig angekommen ist). Die erste Person mit der ich mich in meinem Hotel getroffen habe war ein gewisser Jack Reynor (er steht im Gruppenbild neben mir). Er erzählte mir er sei Schauspieler und Regisseur und Fotograf und vor allem hier um für ein Magazin Unterwasserfotos zu schiessen. Drei Tage danach musste er beruflich leider wieder abreisen. Aus Neugierde dachte ich, ich google mal seinen Namen. Und siehe da, er war sogar ein recht bekannter Schauspieler! Er hat einfach in Transformers 4, Midsommar und The Peripheral mitgespielt! Unglaublich, und da dachte ich er wäre halt so ein "Nobody" Schauspieler und Regisseur...Wer hätte es gedacht! Er war aber wirklich super nett und mega sympathisch:)
Unsere Zeit hier auf dieser wunderschönen Inselgruppe kam leider bereits zu ihrem Ende. Mit unzähligen positiven Erinnerungen und "schlechten", die sich in Abenteuer verwandelt haben, steige ich schweren Herzens ins Flugzeug ein. Abgesehen davon, dass ich das Tauchen in tropischen Gewässern vermissen werde (es wird für mehr als drei Jahre das letzte Mal tauchen sein, da Corona auch noch dazwischen kommt, aber das wusste ich damals ja noch nicht) ist auch der Gedanke an das Wetter in der winterlichen Schweiz nicht gerade verlockend. Aber leider kommt jede Reise mal ans Ende...Bis zum nächsten Mal, Seychellen!!!